Alles Krise..?

Wissen Sie, „Entspannung“, „ruhiger Friede“ und „angenehmes Plätschern“ waren für mich Worte, die mir in früheren Jahren ganz locker über die Lippen gingen…

Seit jeher hat meine Umgebung mich -zumindest in meinen „Erwachsenenjahren“- als sehr aktiven Menschen wahrgenommen…als 20jährige hatte ich meine Matur in der Tasche, steckte in einem Zwischenjahr vor dem Studium, das ich mit einer Ausbildung als Tanzpädagogin füllte, (da ich seit Jahren intensiv tanzte -Jazztanz, HipHop, Streetdance, Musical- wollte ich diese Tanzrichtungen auch unterrichten können, um mir mein Studium und meine „Eigenständigkeit“ zu finanzieren). Ich engagierte mich als Leiterin bei den Pfadfindern, gab Nachhilfestunden in Mathematik und Deutsch, arbeitete im Nebenverdienst als Putzfrau, als Tagesmami und an einer Hotelrezeption in einer kleinen Pension am Limmatquai in Zürich. Mein Studium der Psychologie und der Medienwissenschaften startete ich an der Universität Zürich in meinem 22. Lebensjahr.

Was viele nicht wussten (und ich damals ebenfalls nicht realisierte) war, dass ich dieses Level an (geselliger) Aktivität nur halten konnte, indem ich mich immer wieder ganz intensiv „einigelte“: ich zog mich zurück in meine Höhle (zu Beginn mein eigenes Zimmer, später dann meine eigene Wohnung), schloss die Fenster und Türen, manchmal auch die Läden, zog mich auf dem Bett, Sofa oder Boden liegend in meine diversen Fantasiewelten zurück. Das waren geschriebene Romane und Bücher, eigene Geschichten oder Träume…ich zog mich in Gedankenwelten zurück, in denen es ruhig und still war, keine Geräusche und Bewegungen von aussen eindrangen, stundenlang, wann immer möglich…und kam frisch regeneriert, aufgeladen und voller Möglichkeiten in die „reale“ Welt zurück…so fühlte ich mich GANZ, so konnte ich leben, ich fühlte mich wie ICH, war geerdet und gleichzeitig luftig leicht! Ich konnte ALLES erreichen!

Naja, Sie können sich vorstellen oder wissen es vielleicht aus eigener Erfahrung, dass dies mit eigener Familie leider kaum mehr möglich ist. Mit aller Kraft suche ich -trotz den (wie ich finde (meist) total berechtigten) Ansprüchen von Mann und Kindern an mich und meinen beruflichen Verpflichtungen- eine Stunde Zeit fürs Walken oder das wöchentliche Tanztraining oder eine halbe Stunde „Buch lesen“ oder auch mal ein GANZES Wochenende mit Freundinnen im Wellnesshotel…und ich erarbeite mir diese Zeit…immer wieder…dies ist mehr, als andere Mütter sich leisten können! Ich WEISS!

Oft brauche ich sehr viel Geduld und glasklare Weitsicht um zu verstehen, dass auch nacheinander gelebte Ereignisse durchaus genau zum richtigen Ziel führen. In meinem Fall, mich wieder mal luftig leicht und gleichzeitig geerdet zu fühlen, MICH zu spüren und ALLES zu erreichen…Naja, wenn ich dies so aufschreibe, wird mir klar, dass dies kein einfaches Unterfangen ist (und sehr psychologisch und philosophisch untermauert…was durchaus zu mir passt, schön!)

Meine Emotion und meine Bedürfnisse rufen da leider immer wieder dazwischen…dann raste ich aus: ich schreie, manchmal lautlos öfters schrill, öffne Fenster und Türen um Luft zu bekommen, ich kämpfe mit Fressattacken, fülle meinen Körper mit „Schwere“ wo ich doch eigentlich meine Seele mit „Ruhe“ füllen müsste…so fühle ich mich dann auch körperlich „schlecht“ wo doch eigentlich mein „Geist“ und meine seelische und energetische Balance aus dem Lot geriet…

Ich bekomme viele gute und auch verschiedentlich ganz schlechte Ratschläge, alle davon ungefragt und vermeintlich zur Lösung „meines Problems“ beitragend. Mein Problem heisst „das Leben“ und ist damit keins, ich lebe sehr gerne, kämpfe einfach ab und an mit „den Umständen“…Ebenso oft hören meine Freundinnen aber auch einfach zu, wenn ich mich über zu wenig „Friede“, zu viel „Lärm und Hektik“ und wenig „Entspannungsmöglichkeiten“ auslasse…

Ich bin nun „Ü40″…evolutionsbiologisch gesehen befinde ich mich deshalb gerechtfertigter Weise in der „Midlife-Crisis“; wobei ich es per se schon ziemlich vermessen finde, wenn man die Gedanken und das sich Befassen mit der eigenen Geschichte und Person, die (z.T. verzweifelten) Erkenntnisse über einen selbst und das Durchgehen von Möglichkeiten zu weiteren Lebensentwürfen so abwertend, brutal und irgendwie endgültig als „Krise“ bezeichnet.

Naja, ich lerne viel zur Zeit: über mich, meine Art der Welt zu begegnen…ich habe viel Verständnis gewonnen: für mich, meine Eigenarten, mein Wesen…ich habe neue Einsichten erhalten: in meine Welt, über meine Nächsten, meine Ideen..

Meine Überzeugung des Tages:

Krise ist das negative Wort für Herausforderung und diese der erste Schritt ins Wünsche orten und Pläne schmieden. Da läuft was! Zum Fürchten und Schön! Und nach dem „Laufen“ die „Entspannung“…ich freue mich darauf und kann es kaum erwarten!

Echt jetzt?

Gestern hat es um 6;58 an der Haustüre geläutet!! Neeiiiin….ach, der Kaminfeger…genau! Gestern noch daran gedacht, heute völlig vergessen, super! Bin im Pijama, ungekämmt, von geduscht oder „gemake-upt“ kann keine Rede sein, mein erster Kaffee steht ungetrunken und kalt neben der Kaffeemaschine…naja, ist halt so, Haustüre aufmachen muss ich trotzdem..

Seit Jahren besucht uns derselbe Kaminfeger, zweimal pro Jahr, ungefragt und unbestellt, weil’s einfach so sein muss…und dieser Typ nervt mich jedes Mal grenzenlos, mittlerweile bereits beim Anschauen, früher spätestens nach seinem ersten Satz: Er weiss alles besser und sowieso ganz eindeutig wie die Welt funktioniert: Kinder sollen nie zur Schule gefahren werden, Hecken gehören ende November geschnitten, Waschmaschinen kauft man im Fachgeschäft, Mikrowellen schaden der Gesundheit, „man“ soll immer selber und frisch kochen -dreimal dürfen Sie raten, wer mit „man“ gemeint ist!!- und wer seine Kinder verwöhnt ist selber schuld an deren späterem Scheitern im Leben. Ich kritisiere nicht (oder fast nicht), dass er eine Meinung vertritt, sondern dass er sie mir bereits morgens um sieben um die Ohren haut (eigentlich egal um welche Zeit, aber frühmorgens ist es definitiv nicht einfacher, dies aus zu halten) und ich dabei freundlich bleiben möchte. Im selben Moment dann ärgere ich mich des weiteren über mich, die ich ihm nicht einfach harsch übers Maul fahre und auf mein Hoheitsgebiet (es ist MEIN Zuhause!!) poche!

Nichts ist aber so unangenehm, wie den Ärger über sich selbst aus zu halten…deshalb schnell wieder den Fokus wechseln: Gestern musste ich mich dem zu Folge nicht nur über den Kaminfeger aufregen sondern auch noch über die Dame, die mich mit bösem Blick „getötet“ hat, weil ich im Supermarkt die erstgegriffene Clementine wieder zurück gelegt habe, da ich erst beim Anfassen bemerkte, dass sie weich und matschig war. Die Dame hat mich dann ganz gewaltig geärgert, weil die mit den Augen gewählte zweite Frucht nämlich ebenfalls matschig war und ich sie aber trotzdem eingepackt und mich nicht mehr getraut habe, unter diesem Blick nochmals etwas zurück zu legen…ärgerlich, diese Frau (oder ich!! aber eben!!). Und dann die Joggerin am Abend: joggt diese durchtrainierte, drahtige Mitfünfzigerin mit Stirnlampe und Neoprenanzug bei Minustemperaturen und Eisregen um 22.00 Uhr an unserem Fenster vorbei, als ich gerade im Begriff bin, erschöpft und ausgelaugt vom Tag, die Fensterläden zu schliessen und mir aus zu mahlen, dass ich nur noch ganz kurz den Geschirrspüler füllen, den Abfalleimer leeren und rausbringen und dann meine Tasche für den morgigen Arbeitstag packen muss und ich mich danach mit einem Glas Prosecco aufs Sofa und vor den Fernseher schmeissen kann…und dann das! Diese Joggerin hat mich gestern auf der Stelle wahnsinnig gemacht!! Muss ich das sehen?? Echt jetzt?!?!

Naja, mein Résumé des Tages: Nüchtern betrachtet sieht’s besoffen besser aus!!

So was von vergeigt

Naja, da schreibe ich heute Morgen meinen ersten Blogbeitrag, ganz im Sinne meiner morgendlichen Erfahrung mit extra lautem Wecker mit „Furchtbar-Song“ auf (fast) voller Lautstärke, damit ich ausserordentlich schnell und auf sicher aufstehe und ich so meine ersten 3 Kaffees in Ruhe und morgendlicher Stille beim Einpacken der Lunchbox meiner Kinder und der Vorbereitung des Mittagessens für diese geniessen kann. (Das Essen wird im Ofen vor sich hin brutzeln, zur genau richtigen (Mittags-) Zeit und meine Mann (im Corona-Homeoffice) wird da sein und mit den Kindern zu Mittag essen (das heisst, er wird aus unserem Büro alle 5 Minuten rausbrüllen, er sei sofort so weit und brauche nur noch zwei Minuten, bis dann die Kinder -und ich, wenn ich da bin- fertig gegessen und bereits wieder abgeräumt haben…)

Auf jeden Fall habe ich den Auftritt meiner Tochter beschrieben (der VOR dem dritten Kaffee erfolgte, was ich aber ehrlich gesagt erwartet hatte) und wie sie mit beleidigter Stimme keifte, dass ihr Schaf weg sei und ich sie darauf liebevoll in die Arme schloss und ihr einen guten Morgen wünschte. Dann der durch unser Haus schallende Ruf meines Mannes, der sich ärgerte, dass „wir“ wieder einmal zu spät dran seien und ihn „niemand“ geweckt habe (wobei er mit „wir“ sich selber und mit „niemand“ mich meinte) und schliesslich noch meine Weigerung, meinen Sohn früher als unbedingt nötig aus dem Reich der Träume zu holen, da er mich bei mehr als 5 Minuten Zeit bis zum Schulstart bereits in die ewig gleiche „Handy-Diskussion“ über frühmorgendliche „Gamesessions“ verwickeln würde (wobei meine (Gegen-) Argumente sich Morgen für Morgen zu wiederholen scheinen während die seinen gefühlt endlos und unerschöpflich sind..).

Naja, langer Vorworte kurzer Sinn, ich habe meine Worte nicht gespeichert und so sind sie nun im „Irgendwo“…genau an dem Ort (so stelle ich mir vor), an den ich in nächster Zeit aus oben beschriebenen Gründen nicht werde aus meinem Alltag entfliehen können (und auch nicht immer wollen, aber eben doch des öfteren!). Mir bleibt aus diesem Grund nur, mich entweder zu ärgern oder…..eben: Diesen Bloggbeitrag (nochmals) zu schreiben! Da Worte wie ein Ventil wirken können und (wenn man sie nicht direkt, gemein und ausfallend an jemanden ganz persönlich richtet) weniger Schaden verursachen als andere Arten der „Frustbekämpfung“ (Wenn wir schon dabei sind: Ich amüsiere mich gerade köstlich über einen Post in meinem „Ladies-Whatapp-Chat“ anhand dem ein „Wissenschaftler“ weise bemerkt, dass „ein Glas Wein pro Tag nicht nur sehr gesund ist, sondern auch sehr wenig!!“ Haaach!!)

Mein Spruch des Tages:

Speichere die guten

Dinge,

schlechte bleiben ohnehin

im Sinne