ÄRGERLICHES V/f- ER -n- HALTEN

Krach! Zack! Peng!

Eben noch im schönsten Schlaf, bin ich jetzt mit einem Ruck wach:

Das Gesicht meiner Tochter, krebsrot und zu wunderlicher, wenig ansprechender Grimasse verzogen, bäumt sich vor dem meinigen auf; schrille, überdosierte Keiflaute dringen aus ihrem Mund und damit ungebremst an mein Ohr: „Maahamiiiiii! Ich finde keine Kleeeiihhiideeerrrr!!!!“

Ich STEH‘ im Bett!! Himmelnochmal!!

Na bravo…und dies natürlich genau an der anregendsten Stelle meines Traumes, Scheibenkleister!

„Niihhiichts ist für mich bereit!! Keine gewaschenen Klamotten!! Ich kann nihhiiichtsss anziehen: daahhaas passt nicht und jenes nicht und dieses ebenfalls nihhiiicht!!!“

Das Rauschen um mich herum stammt weder von den Palmen am Meer beim romantischen Strand-Dinner mit fürsorglich-galantem und voll verfügbaren Traum-Mann Nummer eins, noch sind es die Wellen rund um die Hochsee-Segel-Luxusjacht, gesteuert vom betörend-attraktiven und eindrücklich proportionierten Traum-Mann Nummer zwei, sondern resultiert als erstaunlich intensiver Ton aus den an meinem -vor kurzem noch wunderbar träumenden- Kopf vorbeisegelnden Kleidungsstücken meiner Tochter, die dann mit -mich zu normaleren Uhrzeiten- belustigender Langsamkeit in der Zimmerecke landen.

So weit so unerfreulich!

Ich wünschte mir wirklich -im Nachhinein natürlich, da sei man ja bekannterweise meistens „schlauer“, (was ich hier aber nicht unbedingt das passende Wort finde, weshalb ich an dieser Stelle für den Ausdruck „weniger wütend“ oder „weiter von der Traumwelt entfernt“ stimme)-, ich hätte das ab diesem Augenblick unkontrolliert ablaufende Ereignis etwas bewusster in eine friedvollere Richtung gelenkt:

Möglicherweise indem ich nicht, wie nach dieser Offensive leider passiert, meine Donner-Stimme zusammengesucht und mich bereits am frühen Morgen mit all meinen Säbeln der „mamigerechten“ Entrüstung ins Gefecht gestürzt hätte:

GopfriedstutzwasmachstduhuubereitsanmeinemBehettweisstduwelcheZeitwirhabeheen??“

Da ich in der Regel und zu „besseren“ (Uhr-)Zeiten einen ziemlich wendigen und fantasiebegabten Kopf mein Eigen nenne (und dieser nicht „nur zum Haare schneiden ist“, wie meine Tochter denjenigen ihres Bruders ab und an mit schwesterlicher Liebe einschätzt!), hätte ich durchaus mehr Reaktionsmöglichkeiten als die gezeigte gehabt:

Ich hätte mich etwa

a) geräuschlos auf die andere Seite drehen und mich schlafend stellen können… (oder tot?)

Oder aber

b) mich verschlafen und harmlos aufsetzen, meine Tochter verständnisvoll in den Arm nehmen und ihr bestätigen können, dass‘ morgens um halb sechs auf zu wachen und keine anständigen, gewaschenen Kleider am eigenen Bett vorzufinden im Alltag von Prinzessinnen tatsächlich „überhaupt nicht geht“…!

Vielleicht hätte meine Tochter

a) sich auf leisen Sohlen und mit unglaublich schlechtem Gewissen aufgrund ihrer zu deutlich artikulierten, plötzlich als Unrecht empfundenen Empörung wieder aus meinem Zimmer geschlichen, nachdem sie auf dem Wecker die frühe Unzeit, zu der sie mich wecken wollte, bemerkt hätte? Sie wäre dann womöglich nach unten in die Waschküche gegangen und hätte da ihre am Wäscheständer hängenden, unzähligen und frisch gewaschenen Klamotten fein säuberlich und gewissenhaft zusammengelegt und die der anderen Familienmitglieder ebenso? Sie hätte mir im Stillen gedankt, dass sie korrekt gezählt weit über dreissig verschiedene T-Shirts, Blusen oder sonstige Teile ihr Eigen nennen darf und vielleicht hätte sie dann sogar auf ihrem Weg zurück nach oben die einsame und unterbeschäftigte Kaffeemaschine bemerkt und deren Leiden beendet, indem sie mir eine wunderbar wohlriechende Tasse Kaffee gezaubert und mir diese eine halbe Stunde später mit einem fröhlichen und ernstgemeinten „guten Morgen liebe Mama“ ans Bett gebracht hätte? Möglich, oder?

Ansonsten wäre denkbar,

b) dass meine Tochter die zum Abschuss bereiten Kleidungsstücke in ihrer Wurfhand aufs Bett sinken ließe, woraufhin es KEINEN Streit darüber geben würde, wer diese sofort und auf der Stelle wieder aus der Zimmerecke auflesen solle und auch nicht darüber, wie diese zur Munition degradierten Textilien per direktem Wege wieder in den Schrank gelängen, respektive, wer die Kleider in den Müll oder aus dem Fenster schmeißen würde, da diese ja offensichtlich sowieso nicht verwendbar seien…durchaus vorstellbar eine solche Reaktion meiner Tochter auf demonstrative Unbedarftheit meinerseits!

Des Weiteren würde sich der Gesichtsausdruck meiner Tochter von angepisst zu indigniert verändern (und ihre Stimmung mit leichter Verzögerung ebenso?), was nicht nur verbal und stilistisch einen deutlichen Unterschied gemacht, sondern im beschriebenen Moment bestimmt ebenso zur Entspannung der Situation beigetragen hätte: als dass der Dampfmaschine die Kohle flott entzogen werde…Wenn man so will!

Daraufhin hätte mein Mädchen mich dann mit reuiger Stimme gefragt, ob ich ihr das frühmorgendliche „Aus-den-Träumen-reissen“ nochmals verzeihen könne. Sodann ich dies -selbstverständlich und mit großherziger Geste- entschuldigen würde, obschon es bei dieser Art von Träumen -siehe weiter oben!- eigentlich auf gar KEINEN Fall gerechtfertigt ist, eine solche Absolution zu erteilen!

Ich hätte den Morgen gerettet! Würde mich zwar innerlich ein bisschen grämen und der entspannenden Nacht nachtrauern, dies aber nur im Stillen und mit einem märtyrerhaft-wissenden Lächeln auf den Lippen… (Welches ja dann irgendwann -wenn man bestimmten Studien glauben soll- bis ins „Herz“ vordringen und einen „richtig glücklich“ machen würde!)

Nun ja, leider weilte mein Gehirn noch in tiefen und familienfernen, träumerischen Gefilden und mein Impuls war wieder einmal deutlich schneller wach:

GopfriedstutzwasmachstduhuubereitsanmeinemBehettweisstduwelcheZeitwirhabeheen??“

Dieser Morgen bleibt verhauen!

Nun, sollten Sie zu meinen LeserInnen gehören, die sich bereits des Öfteren durch meine Texte gekämpft haben, wissen Sie bereits, dass ich auch aus diesem misslichen Ereignis eine Alltags-Weisheit ziehen möchte (für alle anderen ist es möglicherweise etwas erstaunlich, sei’s drum):

Je nach Umstand -und bei diesem kann selbst ich nicht immer mitreden, obwohl es mir natürlich durchaus ein Anliegen wäre!- gibt es Mittel und Wege, das Verhalten seines Gegenübers zu beeinflussen, und damit „den Lauf der Geschichte“ zu verändern…Ich kann dies tun, indem ich meiner Umgebung Befehle erteile, ihr mit einer Strafe drohe oder ein Geschenk verspreche…Ich kann Gesetze erfinden und Regeln erlassen.

Oft geht eine Möglichkeit vergessen: ich kann nämlich mein eigenes Verhalten verändern und damit die Reaktion meiner Umgebung modellieren…

Einfach (*natürlich ist das eben NICHT so einfach, siehe meine Erzählung oben!) mal Wut mit aufgesetztem oder wahrem Verständnis ersetzen, Fairness mit verspieltem Sinn für Humor, farblose Freundlichkeit mit unbescheidener Engstirnigkeit oder wilder Angriff mit heiterem Entgegenkommen…

Versuchen Sie sich im unüblichen, individuellen und eigenwilligen Verhalten und schauen Sie, was geschieht…

Ob in Gedanken oder im echten Leben: selbst zu „wirken“ macht Spaß und fühlt sich „mächtig“ und gut an!

Natürlich bin ich auf Ihre Anekdoten gespannt… 😊

verenadalena@bluewin.ch

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