Krise! (Oder: schwere Kost…)

Sie wissen sicher, „Krise“ ist aktuell ein Modewort!

Naja, MEIN Wort ist es nicht! Obwohl ich sie durchaus öfters und immer wieder kriegen werde, kriege und gekriegt habe, die Krise… Und zwar schon deutlich bevor dieses Wort und seine aktuellen Hintergründe scheinbar alles entschuldigt, was schon immer mal entschuldigt werden wollte: „Haaach, nein, leider, leider kann ich Ihnen bis zum Sommer keinen Termin fürs „Veloflicken“ mehr anbieten, Sie wissen ja, die Krise!“ (Bitte, was? Das war im März!! Und was hat mein defektes Fahrrad mit Viren zu tun? In Echt?!) Oder die Ansage der Kreditkartenhotline: “ Siiiirrrrr…Bitte entschuldigen Sie die langen Wartezeiten, aufgrund der aktuellen Krise sind unsere Dienste völlig überlastet…siiiiirrrr…wir bitten um Verständnis…ssiiirr..!“ Ähhhmmm…Verständnis?!! Habe ich nicht!! Machen die da „virtuelle 2-Meter-Abstände“ in der Telefonleitung?!“Meine Güte!!

ICH kriege -zum Beispiel- die Krise, wenn dieser blöde schwarze Riesenvogel in unserem Garten den Abfallsack auf rupft bevor die Abfuhr da war und ich mich so (nochmals) mit meinen ganz persönlichen Müll auseinandersetzen muss, obwohl ich den doch eigentlich bereits „gekübelt“ habe! Oder wenn ich -kurz bevor ich aus dem Haus muss- mein Handy nicht mehr finde und ich sonst eigentlich alles souverän bis auf die letzte Sekunde geplant und fast wie gewollt hingekriegt habe (Walking, Kinder, Mann, Make-up (meint: Alters- und Nachtspuren soweit möglich beseitigen), Kleider, Mittagessen, Wäsche, Briefträger, Grüncontainer-zum Glück bin ich Allergikerin sonst stünde hier noch- Hund!!). Das Handy finde ich schliesslich -wenn’s gut läuft- im Kühlschrank, in der Alusammlung oder fein säuberlich „verstaut“ neben dem Staubsauger! Ich finde ja, dass dieser Umstand alleine bereits bezeugt, dass meine nervliche Verfassung schon VOR dem Verlegen meines Telefons nicht unbedingt tiefenentspannt war, also eher: Doppel-Krise!!)

Nun ja, Worte-Menschen-Geschichten-Schwächen-Ressourcen-Abhängigkeiten-selber Denken…alles das fasziniert mich seit jeher, -wie Sie ja bereits wissen, wenn Sie öfters mal was von mir lesen- und aus diesem Grund habe ich mich nun doch noch auf „DIE Krise“ eingelassen und mich auf all diesen obengenannten Ebenen -und noch einigen mehr- damit auseinandergesetzt….Nachfolgende Geschichte steht für dieses Tun:

Das Schwarznasenschaf starrt mich an! Kauend!

„Wasisch?!“ scheint es zu fragen und sein geschorener wulstiger Nacken steht im scharfen Gegensatz zu seiner Haartolle, die seinem Kopf etwas jugendlich Aufsässiges verleiht, ein Kontrapunkt zu seinem ansonsten scharf rasierten Körper. Die sommergrüne Wiese rahmt die Szene unaufdringlich.

„Ischöbbis?!“ Bis dato noch beschwingten Fusses unterwegs, stolz auf meinen morgendlichen Aktivismus in freier Natur, bleibe ich nun stehen. Mir ist unwohl! Blick nach rechts und links, niemand da! Nur das Schaf am Rande seiner Herde! Was will das Tier? Mein mulmiges Gefühl verstärkt sich: Griff der rechten Hand in die Jackentasche; dann der Schreck: nichts da! Die Maske fehlt!! Seit Tagen schon. Was nun? Ich fühle mich auf einen Schlag ungeschützt, völlig ausgestellt, machtlos gar! Was ist, wenn mich was angreift? Mir wer entgegen kommt? Mir ein Schaf widerfährt? Die Morgensonne gewinnt an Kraft.

„Drüllschdure?!“ Der Tollenkopf kaut unbeirrt weiter. Die anderen Schafe scheinen innezuhalten. Passiert da was? Meine Gedankengänge schalten hoch… Da ist es wieder, dieses rätselhafte Gefühl: eine diffuse Stimmung zwischen Zweifel und Befreiung, eine Art „Nackt-Bewusstsein“ inmitten des Tastens nach dem abhanden gekommenen Badetuch! Gleichwohl körperliches Befinden als auch Gemütslage lähmt mich dieser Zustand nun seit Ende der Corona Restriktionen wiederholt und ungebeten. Kein morgendliches Sommerlüftchen widersetzt sich der einsetzenden Hitze. Ist der Morgen bereits so fortgeschritten?

„Häää?!“ Die rosa Haut mit schwarzen Flecken meines Gegenübers scheinen auf beginnenden Sonnenbrand oder Ärger hinzudeuten…Ist ja klar! Bar jeglicher Hüllen, „füdliblutt“ auf der Sonnenweide! Ich fühle mich provoziert! Zu Recht? Ich spüre rot.

„Was denkst du dir?!“ schreie ich laut. „Geh‘ in den Schatten, du Idiot! Solltest Du so blank sein? Kaum! Das ist kein Spass, weisch! Der Wolle beraubt! Frei und unbedeckt? Siehst Du nicht der Bäume schattig lockender Schutz? Du solltest Dich gegängelt fühlen! Muckst Du nicht auf? Beiss‘ doch! Brülle! Sei‘ kein Esel, du Schaf!“

Ich stampfe, schreie, mache Radau… ich lasse mich gehen. Persönliche Krise!! Alles Tumult!  „Lasst mich in Ruhe! Alle! Echt! Kein Bock auf noch mehr Böcke!“

„Pffff!“ Mein Blick fällt auf das weisse Hinterteil meines Gegenübers. Ein schwarzer Fleck setzt jenes Körperteil in Szene, welches mir verdeutlichen könnte, was das Tier von mir denkt. Das frische Gras scheint ihm wichtiger als die leidenschaftliche Erregung meinerseits. Eine ungemein verfahrene Situation, wirklich!

„Ist nicht mein Mist, Kleines!“ Etwas an seiner borniert wirkenden Aufmüpfigkeit, an dieser unaufgeregten Coolness: Dieses Schaf tut Wirkung!  Die Luft riecht warm. Unerwartet spüre ich ein Glucksen, tief aus meinem Innern rollt es heran…Befreiendes Gurgeln…Kichere‘ ich? „Echt jetzt?“

Die zur Schau getragene Lässigkeit des kahlen Tieres mit aufgebauschter Haarlocke holt mich wieder in Bodennähe. Bislang anscheinend im verschleiernden Dunst, bricht in mir mehr Sommer durch, ich sehe klarer, meine Verspannung löst sich in sonnig warmem Schmunzeln auf. Das Rauschen in meinen Ohren weicht dem sirrenden Summen kleiner Tierchen.

Einsicht? Unsere Dramen sind eins, meins ist keins!

„Spinnschjetzt?!“ Meine Realität winkt mir zu, von weitem offenbar, aber immerhin: Geschorene Felle wachsen wieder, oder? Jeder lässt mal Haar… Versteckt‘ sich hinter meinem polierten Zeitgenossen gar ein Hauch von heilender Inspiration? Zum Greifen nah? Eine Vorahnung der flimmernden Mittagswärme wird nun konkret. Sonnenstrahlen auf der Haut, eine angenehme Körperempfindung!

„Wasstahschnoda?!“ Rotznäsige Anmassungen jeglicher Art lassen mich nun kalt, selbst ist die Frau: Kinn gereckt, Blick kühn nach vorn…ich breche auf, verabschiede mich freundlich von Schwarznasenschaf und Krise und ziehe weiter in den Sommer…vorwärts, meinen Fellen entgegen.

So, liebe Leserinnen und Leser, wie ich Sie einschätze, haben Sie sich bereits während der Lektüre dieser meiner Geschichte so ihre Gedanken gemacht! Wunderbar! Falls Sie diese mit mir teilen möchten: ich würde mich freuen!

Falls nicht, ebenfalls gut: Unser Denken ist -zum Glück- frei und mit keiner Massnahme ein zu fangen! Gedanken sollen fliegen wohin sie wollen…Ich liebe es, wenn sie flattern, pendeln, schweben, sprühen, Kurven fahren und sich verändern…und auf jeden Fall in -eigener- Bewegung bleiben…

verenadalena@bluewin.ch

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