Krise! (Oder: schwere Kost…)

Sie wissen sicher, „Krise“ ist aktuell ein Modewort!

Naja, MEIN Wort ist es nicht! Obwohl ich sie durchaus öfters und immer wieder kriegen werde, kriege und gekriegt habe, die Krise… Und zwar schon deutlich bevor dieses Wort und seine aktuellen Hintergründe scheinbar alles entschuldigt, was schon immer mal entschuldigt werden wollte: „Haaach, nein, leider, leider kann ich Ihnen bis zum Sommer keinen Termin fürs „Veloflicken“ mehr anbieten, Sie wissen ja, die Krise!“ (Bitte, was? Das war im März!! Und was hat mein defektes Fahrrad mit Viren zu tun? In Echt?!) Oder die Ansage der Kreditkartenhotline: “ Siiiirrrrr…Bitte entschuldigen Sie die langen Wartezeiten, aufgrund der aktuellen Krise sind unsere Dienste völlig überlastet…siiiiirrrr…wir bitten um Verständnis…ssiiirr..!“ Ähhhmmm…Verständnis?!! Habe ich nicht!! Machen die da „virtuelle 2-Meter-Abstände“ in der Telefonleitung?!“Meine Güte!!

ICH kriege -zum Beispiel- die Krise, wenn dieser blöde schwarze Riesenvogel in unserem Garten den Abfallsack auf rupft bevor die Abfuhr da war und ich mich so (nochmals) mit meinen ganz persönlichen Müll auseinandersetzen muss, obwohl ich den doch eigentlich bereits „gekübelt“ habe! Oder wenn ich -kurz bevor ich aus dem Haus muss- mein Handy nicht mehr finde und ich sonst eigentlich alles souverän bis auf die letzte Sekunde geplant und fast wie gewollt hingekriegt habe (Walking, Kinder, Mann, Make-up (meint: Alters- und Nachtspuren soweit möglich beseitigen), Kleider, Mittagessen, Wäsche, Briefträger, Grüncontainer-zum Glück bin ich Allergikerin sonst stünde hier noch- Hund!!). Das Handy finde ich schliesslich -wenn’s gut läuft- im Kühlschrank, in der Alusammlung oder fein säuberlich „verstaut“ neben dem Staubsauger! Ich finde ja, dass dieser Umstand alleine bereits bezeugt, dass meine nervliche Verfassung schon VOR dem Verlegen meines Telefons nicht unbedingt tiefenentspannt war, also eher: Doppel-Krise!!)

Nun ja, Worte-Menschen-Geschichten-Schwächen-Ressourcen-Abhängigkeiten-selber Denken…alles das fasziniert mich seit jeher, -wie Sie ja bereits wissen, wenn Sie öfters mal was von mir lesen- und aus diesem Grund habe ich mich nun doch noch auf „DIE Krise“ eingelassen und mich auf all diesen obengenannten Ebenen -und noch einigen mehr- damit auseinandergesetzt….Nachfolgende Geschichte steht für dieses Tun:

Das Schwarznasenschaf starrt mich an! Kauend!

„Wasisch?!“ scheint es zu fragen und sein geschorener wulstiger Nacken steht im scharfen Gegensatz zu seiner Haartolle, die seinem Kopf etwas jugendlich Aufsässiges verleiht, ein Kontrapunkt zu seinem ansonsten scharf rasierten Körper. Die sommergrüne Wiese rahmt die Szene unaufdringlich.

„Ischöbbis?!“ Bis dato noch beschwingten Fusses unterwegs, stolz auf meinen morgendlichen Aktivismus in freier Natur, bleibe ich nun stehen. Mir ist unwohl! Blick nach rechts und links, niemand da! Nur das Schaf am Rande seiner Herde! Was will das Tier? Mein mulmiges Gefühl verstärkt sich: Griff der rechten Hand in die Jackentasche; dann der Schreck: nichts da! Die Maske fehlt!! Seit Tagen schon. Was nun? Ich fühle mich auf einen Schlag ungeschützt, völlig ausgestellt, machtlos gar! Was ist, wenn mich was angreift? Mir wer entgegen kommt? Mir ein Schaf widerfährt? Die Morgensonne gewinnt an Kraft.

„Drüllschdure?!“ Der Tollenkopf kaut unbeirrt weiter. Die anderen Schafe scheinen innezuhalten. Passiert da was? Meine Gedankengänge schalten hoch… Da ist es wieder, dieses rätselhafte Gefühl: eine diffuse Stimmung zwischen Zweifel und Befreiung, eine Art „Nackt-Bewusstsein“ inmitten des Tastens nach dem abhanden gekommenen Badetuch! Gleichwohl körperliches Befinden als auch Gemütslage lähmt mich dieser Zustand nun seit Ende der Corona Restriktionen wiederholt und ungebeten. Kein morgendliches Sommerlüftchen widersetzt sich der einsetzenden Hitze. Ist der Morgen bereits so fortgeschritten?

„Häää?!“ Die rosa Haut mit schwarzen Flecken meines Gegenübers scheinen auf beginnenden Sonnenbrand oder Ärger hinzudeuten…Ist ja klar! Bar jeglicher Hüllen, „füdliblutt“ auf der Sonnenweide! Ich fühle mich provoziert! Zu Recht? Ich spüre rot.

„Was denkst du dir?!“ schreie ich laut. „Geh‘ in den Schatten, du Idiot! Solltest Du so blank sein? Kaum! Das ist kein Spass, weisch! Der Wolle beraubt! Frei und unbedeckt? Siehst Du nicht der Bäume schattig lockender Schutz? Du solltest Dich gegängelt fühlen! Muckst Du nicht auf? Beiss‘ doch! Brülle! Sei‘ kein Esel, du Schaf!“

Ich stampfe, schreie, mache Radau… ich lasse mich gehen. Persönliche Krise!! Alles Tumult!  „Lasst mich in Ruhe! Alle! Echt! Kein Bock auf noch mehr Böcke!“

„Pffff!“ Mein Blick fällt auf das weisse Hinterteil meines Gegenübers. Ein schwarzer Fleck setzt jenes Körperteil in Szene, welches mir verdeutlichen könnte, was das Tier von mir denkt. Das frische Gras scheint ihm wichtiger als die leidenschaftliche Erregung meinerseits. Eine ungemein verfahrene Situation, wirklich!

„Ist nicht mein Mist, Kleines!“ Etwas an seiner borniert wirkenden Aufmüpfigkeit, an dieser unaufgeregten Coolness: Dieses Schaf tut Wirkung!  Die Luft riecht warm. Unerwartet spüre ich ein Glucksen, tief aus meinem Innern rollt es heran…Befreiendes Gurgeln…Kichere‘ ich? „Echt jetzt?“

Die zur Schau getragene Lässigkeit des kahlen Tieres mit aufgebauschter Haarlocke holt mich wieder in Bodennähe. Bislang anscheinend im verschleiernden Dunst, bricht in mir mehr Sommer durch, ich sehe klarer, meine Verspannung löst sich in sonnig warmem Schmunzeln auf. Das Rauschen in meinen Ohren weicht dem sirrenden Summen kleiner Tierchen.

Einsicht? Unsere Dramen sind eins, meins ist keins!

„Spinnschjetzt?!“ Meine Realität winkt mir zu, von weitem offenbar, aber immerhin: Geschorene Felle wachsen wieder, oder? Jeder lässt mal Haar… Versteckt‘ sich hinter meinem polierten Zeitgenossen gar ein Hauch von heilender Inspiration? Zum Greifen nah? Eine Vorahnung der flimmernden Mittagswärme wird nun konkret. Sonnenstrahlen auf der Haut, eine angenehme Körperempfindung!

„Wasstahschnoda?!“ Rotznäsige Anmassungen jeglicher Art lassen mich nun kalt, selbst ist die Frau: Kinn gereckt, Blick kühn nach vorn…ich breche auf, verabschiede mich freundlich von Schwarznasenschaf und Krise und ziehe weiter in den Sommer…vorwärts, meinen Fellen entgegen.

So, liebe Leserinnen und Leser, wie ich Sie einschätze, haben Sie sich bereits während der Lektüre dieser meiner Geschichte so ihre Gedanken gemacht! Wunderbar! Falls Sie diese mit mir teilen möchten: ich würde mich freuen!

Falls nicht, ebenfalls gut: Unser Denken ist -zum Glück- frei und mit keiner Massnahme ein zu fangen! Gedanken sollen fliegen wohin sie wollen…Ich liebe es, wenn sie flattern, pendeln, schweben, sprühen, Kurven fahren und sich verändern…und auf jeden Fall in -eigener- Bewegung bleiben…

verenadalena@bluewin.ch

(Mein) Humor ist…

Eins meiner persönlichen Ziele ist es, mindestens einmal täglich über etwas zu lächeln oder zu lachen

Oft bediene ich mich dazu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen: Ich liebe es, mit der Sprache zu experimentieren und mit Worten und Redewendungen zu spielen.

So befinde ich mich zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit und begegne auf diesem einem Kater, der irgendwie derangiert aussieht, in etwa so, als wäre er kürzlich mit einem Elektroschocker in Streit geraten!

Ha, sofort beginnt mein Hirn dankbar zu surren, meine Gedankengänge kommen in Fahrt: Finde ich Redewendungen, die zum Erscheinungsbild dieses Tieres passen? Lässt sich damit gar auf mögliche Lebensumstände des „Wortspiel-Opfers“ schliessen? Mal sehen:

Womöglich hat sich die Katze „die Haare gerauft“? (Vermutlich hat sie sich über ihr „Herrchen“ zu Hause aufgeregt…Wer könnte da nicht nachfühlen?) -verständnisvoll genickt-

Oder aber sie ist aufgrund der doch eher frühen Morgenstunde noch nicht ganz „in die Gänge“ gekommen?  (Naja, immerhin ist sie wach!) -gelächelt!-

Oder aber sie wurde von einem anderen Getier- zum Beispiel einer Ratte, die gibt’s nämlich überall- heftig bedrängt, sie wurde also sogenannt „in die Mangel genommen“? (Diese Redewendung entstammt der Arbeit mit der Wäschemangel, welche zu plättende Stoffe zwischen zwei Walzen glattpresste…mit diesem Wissen muss ich den Ausdruck wieder verwerfen, da mir der Kater bei dieser wörtlich genommenen Vorstellung plötzlich leid tut und ich diese Redewendung lieber der Ratte angehängt hätte!) -verneint-

Der Kater könnte aber auch der Katzendame seines Lebens begegnet und deshalb „vom Blitz getroffen“ worden sein? -überlegt und bei seinem Aussehen trotz möglicher innerlicher Werte verworfen-

Oder aber die Katze ist „auf den Hund gekommen“? (Sie sieht aber im aktuellen „Design“ eher wie eine gedämpfte Eule aus!!) -mitleidig gelächelt-

Naja, noch spannender wird’s für mich-wie könnte es auch anders sein- wenn menschliche Individuen mit ihrem Aussehen meine Fantasie in Bewegung bringen.

Ein Beispiel aus meinen jüngsten Erlebnissen wäre dann die höchst eigenartige Dame, die mir kürzlich auf meinem Spaziergang entgegenkam: Angetan mit für Waldwege deutlich ungeeignetem Schuhwerk – Bleistiftabsätze!- und einem total unentspannten Gesichtsausdruck (wobei das so pauschal eigentlich nicht ganz stimmte, da der Stirn- und Augenbereich sogar tiefenentspannt wirkten, sprich ohne eine Furche daher kamen, was ja heutzutage ohne grosse Aufwände möglich sein soll aber nicht immer zum positiven Gesamtwerk beiträgt). Die Mundpartie verkniffen, die Augenbrauen bis auf die Grundelemente gezupft, die selbigen mit schwarzem (Filz?-) Stift nachträglich und offenbar ruckartig in die Höhe gezogen, stakst diese ladyartige Figur wagemutig an mir vorbei…(Ich konnte nicht eruieren, ob sie mir böse war, weil ich nicht wie den aktuellen Gepflogenheiten entsprechend vom Weg fort ins Gras gehüpft bin, um sie abstandskonform an mir vorbei wandern zu lassen und sie zusätzlich zu dieser „Nichteinhaltung der unausgesprochenen Regeln“ auch noch mit zugewandtem Lächeln (ich habe sie an- und nicht ausgelacht, aber möglicherweise etwas mitleidig ausgesehen) grüsste, oder ob der von mir als böse gedeutete Gesichtsausdruck einfach der kümmerliche Rest einer ursprünglich ausdrucksstarken Vorderseite des Kopfes darstellte…Naja, wie auch immer, meine Spiellaune hob sich per sofort:

„Nicht ganz koscher“ und „da lachen ja die Hühner“ kamen mir sofort in den Sinn! -innerliches Glucksen-

„Jemandem die Stirn bieten“ dünkte mich etwas zynisch in Anbetracht des vorhin Beschriebenen. Ich sollte eigentlich nicht „den Stab über jemandem brechen“, den ich nur kurz vorbeigehen sah!

Naja, da wären noch „unter aller Kanone“ oder „die hat den Vogel abgeschossen“! -innerlich kichere ich laut!-

„Sich etwas abschminken“ verunsichert mich etwas: Wenn ich mir den Ausdruck zu wörtlich vorstelle, dann muss ich mir das Gesicht ohne schwarze Striche herausarbeiten, was vielleicht zu „da haben wir den Salat“ führen könnte! Zudem muss ich zugeben, dass ich auch immer wieder froh bin, jemanden anzutreffen, der nicht wie „Hinz und Kunz“ aussieht und der, -egal in welche Richtung- etwas Authentizität ausstrahlt. „Der Vergleich hinkt“ nun ein wenig (und nicht nur der, wenn man an die Stöckelschuhe denkt).

Ich sollte „die Kirche im Dorf lassen“, schliesslich habe ich ja von „Tuten und Blasen keine Ahnung“ (Naja, nicht dass dies jetzt jemand zu wörtlich nehmen sollte, Sie wissen ja, das ist eine Redewendung und stammt aus dem Mittelalter und beweist somit nicht, dass ich vom heutigen möglichen Verständnis dieser Worte wirklich keine Ahnung habe, aber darum geht’s ja hier zu meinem Glück nicht und ich werde sicher nicht „aus meinem Nähkästchen plaudern“!) -schmunzeln-

So, stellen Sie sich nun weiter vor, was sich damals meinen Augen im Anschluss an das an und für sich bereits herausragend erheiternde Ereignis dieser Begegnung dargeboten hat:

Die von mir als „Spielobjekt“ fremdverwertete Frauengestalt knickste doch tatsächlich wenige Meter von mir entfernt von ihren Schuhen und fiel mit einem seltsamen Seufzer in den am Wegrand liegenden Pferdehaufen! -ächz, ich kann mich vor Lachen kaum halten!!-

Beinahe hätte ich „Hals- und Beinbruch“ gerufen! -brüllendes Lachen verbeissen!!-

Sollte ich nun „in die Bresche springen“ und der Dame aufhelfen oder „frech wie Oskar“ „mir ins Fäustchen lachen“? (Meine Kinder könnten „ein Lied davon singen“, wie oft ich vor Ungemach bei nicht umgebungsangepasster Kleidung predigte und sie mussten schon des Öfteren „in den sauren Apfel beissen“ und daher mit nassen oder verdreckten Kleidern ausharren, weil sie „keinen Pfifferling“ auf meine Warnungen gaben!)

Aber da „Schadenfreude“ ja bekanntlich eben nicht die „beste Freude“ sei – möglicherweise wirklich nicht die Beste, aber eben schon eine Gute, zumindest, wenn man sie nicht allzu laut kundtut-, entschloss ich mich, „den Sprung ins kalte Wasser zu wagen“ und der „gefällten Dame“ zu Hilfe zu eilen. -Sensationsgelüste und schlechtes Gewissen wegen vorangehendem Auslachen-

Sie können sich kaum vorstellen, wie krass ich „aus allen Wolken fiel“ als ich vor Ort ankam: Erstens stellte sich die Dame –„da hätt‘ ich im Traum nicht daran gedacht“!- als Herr heraus, zweitens schien dieser sich im Dreck und auf dem Hosenboden „pudelwohl zu fühlen“. Wie er mir „frisch und fröhlich“ kundtat, gehörte er nämlich zu einer (irgendwo versteckten und sich „ins Fäustchen lachenden“?) Gruppe polternder Männer, welche den Bräutigam in spe geschminkt und in Frauenkleidern „auf Ab- (oder eben Wald-)Wege“ geschickt hatten, um ihn für- und vor-sorglich zu tyrannisieren, sprich ihm deutlich zu machen, welch Ungemach ihn „unter der Fuchtel“ seiner Bald-Ehefrau erwarten könnte!

Meine Güte, wie fühlte ich mich „am Seil heruntergelassen“!  Und er freute sich „wie ein Schneekönig“ ab meinem zwischen Verblüffung und Entgeisterung schwankenden Gesichtsausdruck und „lachte sich die Hucke voll“! –freudiges ansteckendes Lachen seinerseits

Meine Güte! Was war „mein Arsch auf Grundeis gegangen!“ Was habe ich „mein Fett wegbekommen“! Der hatte ja echt „den Vogel abgeschossen“! -befreiendes lautes offenes Lachen meinerseits-

In diesem Sinne bedeutet für mich Humor…

…über sich selbst genauso zu lachen!

Sich und anderen Schwächen zuzugestehen entspannt und macht gelassen! Nehmen wir uns nicht zu wichtig, sondern Lächeln wir öfters, über uns selbst oder andere…

T-i(e)r-real

Stellen Sie sich vor, Sie würden mitten in der Stadt einer Giraffe begegnen…Dies ist mir gestern -beinahe- passiert:

Es war wieder einer dieser Tage während derer mir zu deutlich bewusst wird, dass ich durch den aktuellen Verlust meiner verschiedensten Freizeitaktivitäten zu immer hirnrissigeren Tricks greifen muss, um mich bei Laune zu halten… Ein eindrückliches und daher erzählenswertes Beispiel in dieser Hinsicht ist -wie ich finde- das Zoo Spiel, welches ich manchmal mit mir selbst oder gemeinsam mit meinen Kindern spiele:

(Nun, Sie sehen, aktuell vermisse ich sogar den Zoo, obwohl ich mir dies nie hätte vorstellen können, da es auch schon Zeiten gab, in denen ich aufgrund einer Überdosis Zoobesuchen am Abend jeweils erleichtert war, dass wir zu Hause zwar eine Sau-Ordnung aber wenigstens kein sonstiges Haustier hatten.)

Nun also zum Spiel: „Wer zuerst einen Elefanten sieht, bekommt einen Punkt!“ Je denn, „Elefant“ ist meist nicht die schwierigste Aufgabe und es ist sehr oft meine Tochter, die sie löst: „Schau, Mami, da, diese Frau mit dem grauen Mantel: die Ansicht von hinten stimmt und die Ohren könnten vom afrikanischen Tier sein!“ So weit so gut, der Punkt wird vergeben!

(Mein Sohn findet dies zwar sofort und aufgrund zwei unterschiedlicher Argumente „voll fies“: Zum einen, weil es grundsätzlich gemein sei, eine Person aufgrund des körperlichen Umfangs oder des Hinterteils auf eine bestimmte Tierrasse zu fixieren -worauf meine Tochter kontert und diese Kritik für nicht zulässig erklärt, da man diese Frau durchaus auch dem Nilpferd oder dem Hängebauchschwein zuordnen könne- und zum andern, so argumentiert mein Sohn, hätte er eigentlich „Mami!“ rufen wollen, sich dies aber aufgrund seines vorherigen Argumentes nicht getraut…! Noch Fragen!?!?)

Naja, Affen findet man übrigens auch ziemlich schnell:

(Das Spiel ist nicht den visuellen Ähnlichkeiten vorbehalten; es dürfen selbstverständlich auch andere Parallelen ins Spiel gebracht werden!)

Jemand, der sich gedankenverloren, intensiv und offensichtlich zufrieden am Gesäss kratzt während er mit Kopfhörern und stereotyper Kopfbewegung- vorzurück, vorzurück- an der Haltestelle auf den Bus wartet oder aber eben dann Menschen, die sich -in meinen Augen- durch ihr Verhalten zum Affen machen:

Mir fällt da spontan eine Dame mittleren Alters ein, die neulich im Einkaufsladen hinter dem Gemüseregal versteckt wartete, bis ich meine Äpfel gezählt und eingepackt hatte, um dann in verzweifelter Geschwindigkeit an mir vorbei zu schiessen, auf dass sie ja kein Unnötiges meiner Aerosole abkriegen würde. (Es könnte sich möglicherweise trotz korrekt getragener Maske meinerseits eines dieser schwer fassbaren Dinger in die erweiterte Umgebung hervorgeschlichen haben, wer weiss?!). Diese Beobachtung allein würde mir vollends genügen, um den „Affen-Punkt“ ohne Zögern an die Dame zu vergeben! Wenn dann aber dieselbe Person -dummerweise und zusätzlich zum vorhin beschriebenen Verhalten- auch noch an einem seitlich vorstehenden Brett der Gemüseauslage hängenbleibt, dadurch abrupt in ihrem Lauf gestoppt wird, sich seitlich überschlägt und auf einen im nächsten Durchgang stehenden älteren Herrn fällt, welchem vor Schreck der Mund weit auf- und die Maske herunterklappt, wird die Zuordnung zur oben erwähnten Tierart natürlich auch für ungeübte „Zoo-Spielerinnen und -Spieler“ evident!

Bei Pinguinen wird’s schon deutlich schwieriger, sehen wir ja nur noch äusserst selten eine Horde Ordensfrauen oder sonntäglich gekleidete Pfarrer auf der Strasse „freilaufen“. Für diese Tierart  müssen dann bei uns oft die Herren Geschäftsleute herhalten… (Den „Schnabel“ denk‘ ich mir halt dann dazu, egal an welcher Körperstelle, in welcher Farbe, Grösse, was auch immer, Fantasieren ist erlaubt…)!

Und eben, gestern ist mir „die Giraffe passiert“…

(Einmal mehr muss ich mich etwas weitschweifig erklären und damit kurz etwas zwischen den Giraffen-Punkt und dessen Entstehungsgeschichte schieben: in meiner Jugend und weit darüber hinaus habe ich intensiv getanzt -Jazztanz, Hip Hop und solche wunderbaren Tanzereien- und diese Tanzarten auch lange selber unterrichtet. Aus dieser Zeit stammt meine Gewohnheit, Menschen an ihrer Art sich zu bewegen, sich körperlich zu präsentieren oder mit ihrer Körperlichkeit Raum einzunehmen zu unterscheiden und zuzuordnen: Ich kann mir die Bewegungs-Eigenart eines Menschen deutlich besser merken als den jeweiligen Namen!)

Nun denn…Da sitze ich also im Auto -ich fahre sehr gerne Auto und bin so oft als möglich darin unterwegs-, habe meinen Terminplan bis dato nahtlos im und bin im Be -Griff, in die zweitletzte Seitenstrasse vor Erreichen meines Ziels abzubiegen, als mich eine Bewegung im Seitenspiegel abbremsen lässt -nicht zu früh, wie ich sofort realisiere, ist diese Bewegung doch von einem Wesen ausgelöst worden, das ansetzt, die Strasse zu überqueren.

Unerwartet und auf wundersame Weise wähne ich mich urplötzlich in einer Steppenlandschaft irgendwo im südlichen Afrika…langsam und stetig, im Passgang, mit irrsinnig hohen Stöckelschuhen, nicht wirklich majestätisch aber sicher irgendwie so gedacht, bewegt sich eine -nicht mehr ganz junge jedoch als solche verkleidete- Lady im Leopardenlook mit durchgestrecktem Hals und hochgereckter Frisur nach Giraffenart über den Fussgängerstreifen. Plastikhandschuhe bedecken die „Vorderhufe“, ein Mund-Nasenschutz im Tigerdesign erspart mir die Realität des an mir vorbeiziehenden Gesichtes und eine Art Taucherbrille unterstützt den Eindruck tierähnlicher Augen. Ein schauderartiges Ziehen erfasst meinen Körper! Gefühlte fünf Minuten lang erlebe ich mitten in meinem ansonsten ziemlich „spezialereignisarmen“ Alltag das grossartige Gefühl, eine schützenswerte Spezies in freier Wildbahn zu beobachten… eine Safari-Emotion mitten in der Stadt! Irreal, faszinierend, ein Hochgefühl zuerst, dann Beklemmung, irgendwie zu voyeuristisch, ohne Selbstverschulden…

Ich vergebe den Giraffen-Punkt automatisch und stumm, wehre mich noch ein bisschen gegen die Tatsache, diese Erscheinung und deren Bewegungen unauslöschlich in meinen Gehirnwindungen eingebrannt zu wissen und starte dann mein Auto wieder, welchem als Äquivalent zu meiner Sprachlosigkeit der Motor „vergangen“ ist und erreiche mein ursprüngliches Ziel ohne weitere Tierrealitäten mit zweiminütiger Verzögerung…

Mein Fazit an diesem Tag:

Manchmal ist weniger mehr: Sowohl auf gewisse Personen bezogen als auch auf meine Idee, Spezial-Ereignistage seien zwingend besser als andere!!

Naja! Fahren wir weiter!!